Am 28. Hornung 1937 — dem 28. Februar — reichten sich in Eisenach vierunddreißig Sassen zum letzten Mal die Hände. Ihre Namen sind vollständig überliefert: Rittername, profaner Name, Beruf und Ambt. Und der Rahmen, in dem das geschah, ist außerhalb Schlaraffias belegt.
1933: aus Allschlaraffia in den „Bund Deutsche Schlaraffia“
1933 trennten sich die reichsdeutschen Reyche von der Allschlaraffia und gingen in den „Bund Deutsche Schlaraffia“ über — eine Konstruktion, die den Fortgang des Spiels unter den neuen Verhältnissen sichern sollte. Die Akten dieses Bundes und etwa dreißig deutscher Reyche liegen heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.
Eisenach hatte darin eine eigene Stellung: Der Kantzler der Ysenaha war zugleich Statthalter der reichsdeutschen Schlaraffen-Reyche. Ein erhaltener Brief der Allmutter Praga aus dem Jahr 1933 ging deshalb an eine Eisenacher Wohnadresse — für einige Jahre war eine Privatwohnung in dieser Stadt ein Knotenpunkt der deutschen Schlaraffia.
27. Hartung 1937: die Verfügung
Am 27. Hartung — dem Januar — 1937 verfügte Reinhard Heydrich die „freiwillige Auflösung bis zum 1. März 1937“. Die Bestandsbeschreibung des Geheimen Staatsarchivs nennt diese Verfügung als das Ende der Organisation in Deutschland. Der Bestand umfasst 35,6 laufende Meter und 2.101 Verzeichnungseinheiten aus den Jahren 1861 bis 1939, mit Nachträgen von 1947 bis 1957.
Warum das aufgeschrieben ist
Die Auflösung hieß amtlich „freiwillig“. Sie war es nicht. Nach der Reychschronik war auf einem Außerordentlichen Schlaraffen-Konzil zu Leipzig 1937 unter dem Druck des Regimes der gesamtdeutsche Beschluss gefasst worden, die Burgespforten zuzusperren. Was blieb, war eine letzte Sippung und eine Liste.
28. Hornung 1937 — der letzte Tag vor der Frist
Die letzte Sippung der Ysenaha fiel auf den 28. Hornung 1937, also auf den letzten Tag, bevor die gesetzte Frist ablief. Siebenundzwanzig Ritter, drei Junker und vier Knappen waren zugegen. Den Thron besetzten Herrlichkeit Heribert, Din-skol und Licht und Schatten. Der letzte Ritterschlag der Ysenaha galt Ritter Ganymed.
Die Stammrolle der Jahrung 1937
| Rittername | Profaner Name | Beruf | Ambt bzw. Rang |
|---|---|---|---|
| Rt Barock der Ofensteiner | Steiner Karl | Architekt | Würdenträger OAe |
| Rt Din-skol der Meer-Busenfreund | Günther Alfred | Oberingenieur | Würdenträger OI |
| Rt Haarig der Behm | Seifert Isidor | Architekt u. Gewerbelehrer | Würdenträger K |
| Rt Graf Steno der Notenschreck | Bley Rudolf | Musikalienhändler / Konzertbüro | Würdenträger M (Erzschlaraffe) |
| Rt Lebefroh von der Eck | Dittmar Walther | Kaufmann | Würdenträger J |
| Rt Hexafex der Feldgraue | Weidner Erich | Kaufmann | Würdenträger Sch |
| Rt Vulkan der Heizspohn | Förstermann Franz | Kaufmann | Würdenträger C (Erzschlaraffe) |
| Rt Colonna der Vielsaitige | Kubierschky Konrad Dr. phil. | Chemiker | Seßhafter Ritter |
| Rt Dickerle vom Goldschlag | v. Waldowski K. | Fabrikant | Seßhafter Ritter |
| Rt Fiedelfex vom Saitensprung | v. Waldowski L. | Fabrikant | Seßhafter Ritter |
| Rt Ganymed der Betrieb-Same | Metzdorf Ewald | Versicherungskaufmann | Seßhafter Ritter |
| Rt Heimdall das Wunderhorn | Köcher Rudolf | Studienrat (Statthalter der reichsdeutschen Schlaraffen-Reyche) | Seßhafter Ritter — Emilienstr. 15/III |
| Rt Heribert der Dichterlehrling | Dreiheller Herbert Dr. | Zahnarzt | Seßhafter Ritter |
| Rt Hetzilo vom reinen Wasser | Natz Walther | Kaufmann | Seßhafter Ritter |
| Rt Impuls wohl in Fahrt | Waldeck Heinrich | — | Seßhafter Ritter |
| Rt Karl XXIV. vom Petersberge | Reinhold Karl | Baumeister | Seßhafter Ritter |
| Rt Klemmhörnle vom Odinswald | Keim Willi | Oberingenieur | Seßhafter Ritter |
| Rt Knorke der Entnervende | Moder Ferdinand Dr. | Zahnarzt | Seßhafter Ritter |
| Rt Licht und Schatten | Gewitz Johannes | Hofphotograph | Seßhafter Ritter |
| Rt Marquis Posa [?] | Beck Hugo | — | Seßhafter Ritter |
| Rt Montsalvat der Bey-Reutter | Töpfer Rudolf | akad. Musiklehrer | Seßhafter Ritter |
| Rt Quast der Obotrite | Draewing Peter | Kunstmaler | Seßhafter Ritter (Ez) |
| Rt Stieger von der Wolfsschlucht | zum Felde Hellmuth | Kaufmann | Seßhafter Ritter |
| Rt Tatütata der Huppenfex | Creutzburg Curt | Fabrikdirektor | Seßhafter Ritter |
| Rt Uhustrahl der Drachentöter | Sorge Reinhold | Bankvorsteher | Seßhafter Ritter |
| Rt Wie's so geht der Rhönhiasl | Hißbach Hermann | Justizrat / Rechtsanwalt | Seßhafter Ritter |
| Jk Walter (ehem. Kn 41) | Link Walter | — | Junker |
| Jk Hans (ehem. Kn 42) | Hoffmann Hans | — | Junker |
| Kn 39 | Koerber Wolfgang | — | Knappe |
| Kn 40 | Wiesmath Friedrich | — | Knappe |
| Kn 43 | Hunger Max | Kaufmann | Knappe — letzter Sasse †1981 |
| Kn 44 | Nicolai Ulrich Dr. | — | Knappe |
| Rt Jaga das Sonntagsgaudi (fahrend) | Freyer Hans | Reichsbankrat | Fahrender |
| Jk Wilhelm (ehem. Kn 30, fahrend) | Reinhard Wilhelm Dipl.-Ing. | — | Fahrender Junker |
Drei Namen, die weiterführen
Rt Heimdall das Wunderhorn — Studienrat Rudolf Köcher, Emilienstraße 15. Er war Kantzler der Ysenaha und zugleich Statthalter der reichsdeutschen Schlaraffen-Reyche. Unter dieser Anschrift hat heute der Kulturverein Schlaraffia Eisenach e. V. seinen Sitz.
Rt Heribert der Dichterlehrling — Dr. Herbert Dreiheller, Zahnarzt. In seiner Heimburg wurde 1946 die 342. Sippung gehalten, mit der das schlaraffische Leben in Eisenach wieder anfing.
Rt Graf Steno der Notenschreck — Rudolf Bley, Musikalienhändler. Er brachte 1973 das Banner nach West-Berlin und war bis zu seinem Ahallaritt 1985 der letzte Ritter der Ysenaha.
Und die Jahre 1937 bis 1946?
Was in Eisenach zwischen der letzten Sippung und dem Wiederanfang von 1946 im Einzelnen geschah, ist nur in Umrissen überliefert: Stammtische der „Getreuen“ und „Urgetreuen“, Hinterzimmer, Heimburgen. Eine Akte dazu liegt nicht vor. Was danach kam, ist dagegen gut bezeugt.
Belege: Chronik des erloschenen Reyches Ysenaha (243) von Ritter Bedacht (Sugambria 398), S. 41. Die Angaben der Stammrolle stammen aus der Stammrolle der Jahrung 1937; zwei Lesungen sind in der Vorlage als unsicher gekennzeichnet und hier mit [?] übernommen. Die genannten Personen sind sämtlich verstorben. Die Verfügung vom 27. Januar 1937 und die Angaben zum Bestand „Schlaraffia“ folgen der öffentlichen Bestandsbeschreibung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz. Das Außerordentliche Schlaraffen-Konzil zu Leipzig ist bislang nur in der Reychschronik bezeugt und außerhalb Schlaraffias nicht nachgewiesen; es ist hier deshalb ausdrücklich als deren Angabe wiedergegeben.