Im Feldlager Ysen-Aha entsteht die Kultur am Tisch: Die Mitglieder tragen eigene Verse, Geschichten, Parodien und Lieder vor, das hauseigene kleine Blasorchester spielt, und manche Pointe fällt aus dem Stegreif. Gäste hören zu. Gesippt wird im Saal des Augustiner-Bräu, von Oktober bis April am zweiten und vierten Montag, von Mai bis September am vierten Montag, jeweils um 19:30 Uhr.
Fechsungen mit Thema
Was ein Mitglied beiträgt, heißt schlaraffisch Fechsung, und jede Sippung stellt dafür ein Thema. Die Spannweite im Eisenacher Kalender ist beachtlich. Einmal wurden Lügengeschichten im Geist des Barons Münchhausen erzählt, ein andermal alte Bauernweisheiten auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Ein Abend sammelt die schönsten Zitate und legt sie neu aus, ein anderer nimmt das Schlaraffenlatein selbst aufs Korn, jene Kunstsprache, deren Begriffe wie Beschwörungsformeln klingen. Gute Vorsätze zum Jahreswechsel liefern zuverlässig Stoff für Selbstironie, und die Frage „Was bin ich?“ lässt sich in Reimen oft ehrlicher beantworten als in Prosa.
Musik in der Bachstadt
Dass in Eisenach musiziert wird, überrascht niemanden, der weiß, dass Johann Sebastian Bach in der Georgenkirche getauft wurde. Das Feldlager hat ein eigenes kleines Blasorchester, das regelmäßig spielt und nicht bloß Festtage schmückt. Gesungen wird ebenfalls: Ein Sommerabend war eigens dem Üben der Schlaraffenlieder gewidmet, und mit dem UhuVisionSongcontest hat sich Ysen-Aha einen eigenen Liederwettstreit ausgedacht, bei dem am Ende Punkte oder Federn fliegen. Die Musik hat hier Vorläufer. Schon im alten Reych Ysenaha fechsten die Schlaraffen Bach, und sie führten ihn als Ehrenschlaraffen Ozean.
Wettstreit mit Sängerkriegserbe
Turneys heißen die schlaraffischen Wettstreite in Kunst und Wort. Beim Turney um die Minnekette entscheidet nicht Kraft allein, sondern auch Witz und Anmut. Ein zweiter Wettstreit hat seinen Stoff direkt über der Stadt: Der Turney um die güldene Leyer greift den Sängerkrieg auf, der 1207 auf der Wartburg stattgefunden haben soll, und das Reych Vimaria hat ihn nach Eisenach zurückgegeben. Wer hier dichtet, dichtet also in der Nachbarschaft Walthers von der Vogelweide, den die Ysenaha ebenfalls zu ihren Ehrenschlaraffen zählte. Welche Rolle die Burg sonst spielt, steht unter Die Wartburg als schlaraffischer Ort.
Ein Kulturverein für alle Interessierten
Eingetragen ist das Feldlager als Kulturverein Schlaraffia Eisenach e. V., und seine Mitglieder halten mit Absicht Kontakt in die Kulturszene des Wartburgkreises. Neben Wartburg, Bachhaus und der Villa Fritz Reuters am Fuß der Burg bietet es etwas, das kein Museum ausstellen kann: Kunst, die am selben Abend entsteht und wieder vergeht. Mitmachen dürfen ausdrücklich alle Interessierten, Zuhören genügt für den Anfang vollkommen. Welche Themen als Nächstes anstehen, zeigen die Veranstaltungen, praktische Fragen beantwortet die Seite Häufige Fragen. Was die Schlaraffen weltweit verbindet, erläutert schlaraffenfreunde.de in einer Einführung in die Schlaraffia.
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